Kiel-Klassifikation

Historisches

1974 veröffentlichten der Kieler Pathologe Karl Lennert und seine Mitarbeiter die sogenannte „Kiel-Klassifikation maligner Lymphome“. Die „Kiel-Klassifikation“ ist ein Ordnungssystem, ein definitorischer Standard für eine bestimmte Gruppe von Krankheiten (Lymphdrüsenkrebs), die es exakt zu bestimmen und abzugrenzen gilt. Aufbauend auf einer Theorie, einer pathologischen Konzeption der Krankheiten, liefert die Klassifikation zunächst einen diagnostischen Kriterienkatalog – die Grundlage für einheitliche und reproduzierbare Diagnosen. Diese Normierung ermöglichte (internationalen) Datenabgleich und lieferte somit die Voraussetzung für überregional angelegte klinische Verbundstudien, dem heute üblichen Forschungsformat, was schließlich zu einer Verbesserung der therapeutischen Interventionen führte. Das Konzept konnte sich in Europa sehr schnell durchsetzen, später auch weltweit. Die heute international gebräuchliche WHO-Klassifikation steht auf den theoretischen Grundlagen der Kiel-Klassifikation. Grundlage dieser erfolgreichen Forschung waren intensivste mikroskopische Untersuchungen einer enormen Menge von Fällen der zum Teil sehr seltenen Krankheiten. Lebenslang hat Karl Lennert interessante Fälle gesammelt. Das 1965 von ihm gegründete Kieler Lymphknoten-Register kann als institutionaliserte Fortführung dieser Praxis angesehen werden. Hier wurden Lymphknotenbiopsien aus verschiedenen deutschen Kliniken, insbesondere solche seltener Fälle, sowie die zugehörigen klinischen Daten zentral gesammelt und einheitlich diagnostiziert, was den Kieler Forschern ausreichend Untersuchungsmaterial zuführte. Seine persönliche Sammlung, das Lennert-Archiv hat er 2008 zur weiteren medizinischen und historischen Aufarbeitung der Medizin- und Pharmaziehistorischen Sammlung der Universität Kiel zur Verfügung gestellt hat.
Karl Lennert und die Kiel-Klassifikation 1974Karl Lennert und die Kiel-Klassifikation 1974