Kiel-Klassifikation

Wissenschaftsgeschichte

Anhand des persönlichen Archivs von Prof. Lennert soll untersucht werden, wie Aufbau, Organisation und Verwendung eines solchen Archivs Einfluss auf die Entwicklung eines Ordnungssystems, der Kiel-Klassifikation, nehmen. Dabei wird davon ausgegangen, dass das Archiv den Kern der Infrastruktur eines jahrzehntelangen Forschungsprozesses darstellt und einen Blick in die innere Dynamik eines solchen Prozesses öffnen kann. Gefragt wird nach dem Zusammhang von Technik, medizinischer Theorie der Krankheiten und diagnostischer Routine, der sich in den Ordnungsstrukturen des Archivs spiegelt sowie nach dem Einfluß sich verändernder institutioneller, personeller und diskursiver Randbedingungen. Spuren von Brüchen, Diskontinuitäten, Fehlschlägen sind erkennbar, vor allem aber Einblicke in die alltägliche Routine und Organisation eines Forschungsprozesses, Aspekte, die von den Protagonisten oftmals nicht als mitteilenswert erachtet werden.
Die hierbei sichtbaren Verschiebungen weisen weit über die Entwicklung der Kiel-Klassifikation hinaus. Sie stehen im Kontext einer sich fundamental gewandelten medizinischen Disziplin, der Pathologie, diese Entwicklung steht wiederum im Kontext der Herausbildung moderner Forschungsstrukturen in der Medizin.

Die Untersuchungen werden im Rahmen eines Dissertationsprojektes am Institut für Medizin- geschichte und Wissenschaftsforschung der Universität Lübeck durchgeführt.

Flle_Lennert_Archiv
Die Archivierung im Bunker des Instituts für Pathologie der CAU zu Kiel (UK SH).
Die Archivierung im Bunker des Instituts für Pathologie der CAU zu Kiel (UK SH).